Haus und Freizeit

Haus und Freizeit Die meisten Unfälle passieren dort, wo wir uns sicher fühlen: zu Hause und in der Freizeit. Damit Sicherheit nicht nur ein Gefühl bleibt, verfolgt die BFU einen ganzheitlichen Präventionsansatz, der sichere Umgebungen und Verhaltensweisen in den Fokus stellt – von der Kindheit bis ins Alter.

Zu Hause und in der Freizeit verletzen sich in der Schweiz jedes Jahr 19 000 Personen schwer, 2200 sterben. Stürze sind dabei mit Abstand der häufigste Unfallhergang. Sie sind für jede zweite Verletzung und für vier von fünf Todesfällen verantwortlich. Betroffen sind nicht nur ältere Menschen. Auch Jüngere stürzen – oft mit gravierenden Folgen. Jährlich erleiden rund 7300 Personen im erwerbstätigen Alter zu Hause oder in der Freizeit schwere Sturzverletzungen, teilweise mit bleibenden Invaliditätsfolgen.

Daten als Grundlage

Verlässliche Unfallzahlen sind die Grundlage wirksamer Prävention. Deshalb ergänzt die BFU bestehende Statistiken wie die Todesursachenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) oder die Unfallstatistik der Erwerbstätigen gezielt mit eigenen Erhebungen. 2025 führte sie eine gross angelegte nationale Haushaltsbefragung mit rund 35 000 Haushalten durch. Diese gaben Auskunft über Unfälle der letzten zwölf Monate. Diese Daten bilden die Basis für die neue BFU-Hochrechnung zum Unfallgeschehen, die 2026 veröffentlicht wird.

Mit KI gegen Kinderunfälle

Einen besonderen Fokus legte die BFU 2025 auf die Sicherheit von Kindern. Um schwere Kinderunfälle, die in Spitälern dokumentiert sind, systematisch erfassen zu können, entwickelte die BFU einen innovativen Ansatz: Handschriftliche oder unstrukturierte Daten werden mithilfe künstlicher Intelligenz anonymisiert und in eine auswertbare Form überführt. In Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und dem Institut für Künstliche Intelligenz legte die BFU so die Grundlage für ein nationales Erfassungssystem.

Parallel dazu publizierte die BFU die Sicherheitsanalyse «Kinderunfälle» mit Erkenntnissen aus dem Kinderunfallmonitoring. Die Analyse identifiziert die zentralen Einflussfaktoren für tödliche Unfälle bei Kleinkindern und leitet daraus konkrete Präventionsansätze ab. Im Fokus stehen strukturelle, gesellschaftliche und individuelle Ansatzpunkte. Die Ergebnisse zeigen: Besonders wirksam sind Massnahmen, die auf mehreren Ebenen ansetzen. So lassen sich etwa Ertrinkungsunfälle verhindern, wenn Biotope, Teiche und Pools baulich gesichert, Eltern und Fachpersonen für die Gefahren des Ertrinkens sensibilisiert und Kleinkinder im und am Wasser ständig in Griffnähe beaufsichtigt werden. 

Sichere Bauten – vom Boden bis zum Geländer

Neben dem Verhalten spielt die bauliche Gestaltung eine zentrale Rolle für die Unfallprävention im Wohnraum. Treppen, Türen, Geländer und Böden beeinflussen das Sturz- und Verletzungsrisiko massgeblich. Die BFU entwickelte deshalb eine Methodik zur Bewertung des Sicherheitsniveaus von Wohnungen, aus der konkrete und umsetzbare Empfehlungen abgeleitet werden können.

Fachdokumentation Böden liegt auf dem Boden

2025 veröffentlichte die BFU die neue Fachdokumentation «Böden». Sie dient Fachleuten als Nachschla-gewerk und bildet die Grundlage für Weiterbildungen in der Baubranche.

2025 veröffentlichte die BFU die neue Fachdokumentation «Böden». Sie fasst nationale und internationale Erkenntnisse zusammen und behandelt Aspekte wie Stolperfallen, Schwellen, Stufen, Neigung, Rutschhemmung und Sichtbarkeit. Die Dokumentation dient Fachleuten als Nachschlagewerk und bildet die Grundlage für Weiterbildungen in der Baubranche.

Digitale Tools für mehr Sicherheit

Gerade für ältere Menschen ist ein sicherer Wohnraum entscheidend, damit keine schweren Unfälle mit langfristigen Folgen passieren. Die neuen, digitalen Checklisten der BFU erleichtern Fachpersonen die Beratung direkt vor Ort. Ein Smartphone oder Tablet genügt, um Sicherheitsdefizite in einer Wohnung zu erkennen. Die Checklisten führen strukturiert durch verschiedene Themen und liefern standardisierte Lösungsvorschläge, um die Mängel gezielt anzugehen. 

Digitale Checkliste wird am Tablet ausgefüllt

Die neuen, digitalen Checklisten der BFU erleichtern Fachpersonen die Beratung direkt vor Ort.

Sturzprävention im Alter

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für schwere Stürze deutlich. Wirksame Sturzprävention umfasst deshalb nicht nur bauliche Massnahmen, sondern auch das eigene Verhalten. Die BFU führte deshalb die Sensibilisierungskampagne «sichergehen.ch» weiter. Diese fördert das Training von Gleichgewicht und Kraft. Sie wurde gemeinsam mit Gesundheitsförderung Schweiz und Pro Senectute umgesetzt und über ein grosses Netzwerk verbreitet.

Ergänzend dazu entwickelte die BFU für ein Pilotprojekt gemeinsam mit der Fitnessbranche Übungen, mit denen sturzpräventive Elemente gezielt ins Training älterer Menschen integriert werden können. Das Projekt startet 2026 in Fitnesscentern im Tessin.
Die Plattform «StoppSturz» bleibt ein zentrales Instrument für die branchenübergreifende Zusammenarbeit. Sie wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und weiteren Partnern getragen und operativ von der BFU geführt. So können Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko im Gesundheitssystem frühzeitig identifiziert und geeignete Massnahmen eingeleitet werden.

Gezielte Produktkontrollen

In der Schweiz dürfen nur sichere Produkte in Verkehr gebracht werden. Im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) und des Bundesamts für Strassen (ASTRA) überprüft die BFU als Marktüberwachungsbehörde, ob die Produkte den geltenden Vorschriften entsprechen.

In gezielten Produktkontrollen und Stichprobenprogrammen wurden die Sicherheit von Produkten überprüft und wo nötig Nachbesserungen eingefordert: 2025 wurden unter anderem Lastenvelos, Lasergraviermaschinen, Tischsitze und Sitzerhöher für Kleinkinder vor Ort in den Geschäften sowie im Onlinehandel kontrolliert.

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