Strassenverkehr

Strassenverkehr Die Sicherheit im Strassenverkehr steht vor neuen Herausforderungen: Veränderte Mobilitätsformen und technologische Entwicklungen erhöhen die Komplexität. Die BFU reagiert darauf mit fundierter Forschung, praxisnaher Beratung, spezifischen Bildungsangeboten und gezielter Sensibilisierung.

Im Schweizer Strassenverkehr sterben jährlich mehr als 200 Personen; rund 5600 werden schwer verletzt (unter Berücksichtigung der Dunkelziffer). Besonders gefährdet sind Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Velofahrerinnen und Velofahrer im Innerortsbereich. Aber auch junge Neulenkende sowie die Risikofaktoren Ablenkung, Geschwindigkeit und Alkohol prägen das Unfallgeschehen.

Grundlagen für faktenbasierte Entscheide

Aussagekräftige Unfallstatistiken sind die Grundlage für wirksame Präventionsmassnahmen. Um das Unfallgeschehen noch präziser abzubilden, führte die BFU 2025 eine gross angelegte nationale Haushaltsbefragung durch. Damit schliesst sie statistische Lücken in bestehenden Datenbanken und schafft die Basis für eine neue Hochrechnung des Unfallgeschehens im Strassenverkehr – inklusive einer Abschätzung der volkswirtschaftlichen Kosten der Verkehrsunfälle. Die Veröffentlichung der Hochrechnung ist für 2026 geplant.

Ergänzend entwickelte die BFU im Forschungsprojekt MEDUSA – finanziert durch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) – eine neue Methodik, um die Dunkelziffer von Verkehrsunfällen genauer abschätzen zu können. So entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik, Verwaltung und Praxis.

Damit Fakten Wirkung entfalten, müssen sie zugänglich sein: Auf der neuen Wissensplattform «Sinus plus» finden Wissenschaftler, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung sowie Umsetzungsverantwortliche seit Frühsommer 2025 aktuelle Daten und Analysen zur Unfallprävention im Strassenverkehr. Die BFU entwickelte das Portal mit finanzieller Unterstützung des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS). 

Sinus plus geöffnet auf Laptop

Das neue Webportal sinus-plus.ch macht das geballte Präventionswissen der BFU im Strassenverkehr online zugänglich.

Parallel dazu trieb die BFU die Unfallforschung im Strassenverkehr weiter voran – immer mit Blick auf die Praxis. Dazu zählen beispielsweise Studien, die aufzeigen, warum Personen auf dem Velo und E-Bike häufig übersehen werden oder, wo Fahrzeuge mit automatisierten Systemen an Grenzen stossen. Ergänzend dazu führte die BFU in Zusammenarbeit mit der AXA Crashtests mit Cargo-E-Bikes durch. Die Tests liefern wichtige Hinweise zu Belastungen, Bauteilversagen und Schutzpotenzial. Die Ergebnisse fliessen in Beratung, Normenarbeit und Sensibilisierung ein.

Sichere Infrastruktur dank gezielter Beratung

Damit es weniger Verkehrsunfälle gibt, müssen Strassen selbsterklärend und fehlerverzeihend gestaltet sein. Die BFU setzte dazu 2025 auf verschiedenen Ebenen an. Beispielsweise wurde die GIS-Plattform MEVASI mit neuen Funktionen zur Erfassung von Sicherheitsdefiziten in der Verkehrsinfrastruktur erweitert. Im Rahmen der verkehrstechnischen Beratung floss die Expertise der BFU zudem in zahlreiche Projekte zur Identifikation und Sanierung von Unfall- und Gefahrenstellen ein. Die Anwendung der ISSI-Instrumente vermittelte die BFU in Zertifikatskursen in allen Landessprachen.

Zwei Signalisationsforen, welche die BFU gemeinsam mit dem ASTRA durchführte, stärkten den Austausch mit kantonalen und städtischen Behörden und trugen so zur korrekten, einheitlichen und normgerechten Signalisation und baulichen Ausgestaltung von Strassenräumen bei.  

Technik, die schützt – aber nicht alles kann

Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen bieten Potenzial für die Unfallprävention im Strassenverkehr. Sie können menschliche Fehler kompensieren, haben aber auch technische Grenzen. Mit einer nationalen Kampagne machte die BFU darauf aufmerksam. Die Botschaft: Assistenzsysteme nutzen – und während der Fahrt trotzdem konzentriert und aufmerksam bleiben.

Person mit FAS am Steuer

Wer Fahrerassistenzsysteme nutzt, sollte ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen.

Im Rahmen eines Mandats des ASTRA brachte die BFU 2025 ihre Expertise in die neue Verordnung zum automatisierten Fahren ein. Ziel war es, Prozess und Kriterien zur Freigabe von Strecken für führerlose Fahrzeuge wie etwa selbstfahrende Taxis zu definieren und damit die Sicherheit zu gewährleisten.

In einer Kooperation mit deutschen und österreichischen Expertinnen und Experten führte die BFU Praxistests mit Fahrzeugen mit automatisierten Fahrfunktionen durch. Die Tests umfassten Fahrten rund um den Bodensee und Versuche auf einem Flugplatz in Österreich. Die Resultate zeigen Stärken und Grenzen der Systeme unter realen Verkehrsbedingungen und bilden die Grundlage für Regulierung, Konsumentenschutz und Sensibilisierung.

Prävention beginnt im Kopf

Wer neu am Steuer sitzt, hat ein erhöhtes Unfallrisiko. Deshalb war die Weiterentwicklung der Fahrausbildung 2025 ein Schwerpunkt der BFU. Sie engagierte sich in Fachgremien, erstellte Grundlagen sowie Unterrichtsmaterialien und prüfte die Machbarkeit eines Qualitätslabels für Fahrschulen. Ein zentrales Produkt ist die neue Fachdokumentation «Automatisiertes Fahren in der Fahrausbildung». Sie beschreibt Kompetenzen, Lernziele und Beispiele aus der Praxis für den sicheren Umgang mit Assistenzsystemen und dient als Grundlagewerk für Aus- und Weiterbildung. 

Für junge Motorradfahrende lancierte die BFU 2025 das digitale Tool «bikerchallenge.ch». Es trainiert die Gefahrenwahrnehmung, fördert vorausschauendes Fahren und hilft, typische Fehler in kritischen Situationen zu vermeiden. In der Schweizer Aus- und Weiterbildungslandschaft ist dieses Angebot für diese Zielgruppe einzigartig. 

Zusätzlich schulte die BFU Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer im Rahmen von Weiterbildungskursen, und sie führte rehabilitative Nachschulungskurse für verkehrsdelinquente Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenker durch. Bewährte Angebote für die Verkehrssicherheit von Kindern – etwa die Pylonis-Materialien und die Tagung für die Verkehrsinstruktorinnen und Verkehrsinstruktoren – wurden erfolgreich fortgeführt.

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